Erstmals anderes Metier
untersucht...
Der
Cheftrainer untersucht mal, ob im Sommer auch was Anderes in Frage kommt,
als immer nur nach neuen Skigebieten zu suchen. Die Wahl fiel auf eine
Hausboots-Tour im Seengebiet der Müritz. Um es vorwegzunehmen: hinterher
sagten alle: "so macht man es nicht". Der Normalfall
ist, das länger gediente Bootsfahrer meist irgendwelche Greenhorns
an Bord haben, die erste Erfahrungen unter Anleitung machen können. Wir
machen es eben anders, wir bauen den ganzen Mist selbst von der Pike auf.
Selbst gemachte Fehler bleiben auch länger im Gedächtnis hängen.
Also
mieten wir ein Boot bei Römer-Yachtcharter in Buchholz am südlichsten
Rand der Müritz.

Das
Hausboot Molly hat auf uns am Anfang nicht gleich den optimistischten
Eindruck gemacht. Aber nach einer Woche Fahrt hat sie sich als
zuverlässig und gutmütig heraus gestellt. Für Anfänger gerade das
Richtige. Als Fahrerlaubnis macht man einen 3-stündigen
"Charterschein" unmittelbar vor Übernahme des Bootes. Man
fährt zwei Runden im Hafengebiet und legt 3 mal an. Bei mir ging das
nicht sofort gut. Aber offensichtlich haben die Leute genügend Erfahrung,
um einzuschätzen, ob einer das Boot in Grund und Boden stampft oder ob er
es heil zurückbringt.
Die
erste Nacht schliefen wir noch im Hafen und am nächsten Morgen gings dann
einfach los. Jetzt ist Seekartenlesen angesagt und die Tonnen sind zu
deuten und Kurs ist zu halten und, und, und.
Aber
wir geben unser Bestes und beginnen auch zu schwitzen als wir die schmale
Ausfahrt durch eine Brücke in die kleine Müritz ansteuern. Es geht gut
und wir sollten auch später keine Steuerprobleme im freien Gewässer oder
in den Kanälen haben. So kompliziert ist das nicht. Viel mehr Arbeit und
Nerven braucht es, irgendwo definiert anzulegen. Sind im Hafen meist noch
irgendwelche Helfer zur Stelle, geht es an den Schleusen aufregender zu.
Als erstes muss man meist eine Warteposition vor der Schleuse einnehmen.
Und unsere erste Schleuse in Mirow hat nur Poller, die mitten im Wasser
stehen. Mal jemand schnell an Land schicken und dann das Boot
ranziehen, ist nicht. Prompt stellen wir uns beim ersten mal auch ziemlich
ungeschickt an und liegen fast quer zum Strom. Also nehmen wir ein zweites
mal Anlauf und von da an klappt es immer. Wie gesagt, erst kommen die
Fehler.

Obiges
Bild ist in einer Schleuse aufgenommen und man kann sehen, eine Angst
bleibt immer: die Angst, das beim Schleusen eine Leine hängenbleibt. Mama
hält nur mit den Händen das Boot. Das ist dann nicht mehr ausreichend,
wenn der Bootsführer, also ich, mal den Gang drinnen lässt. Interessant,
was dabei die Schiffsschraube für Kraft entwickelt. Jedenfalls hält man
dann das Boot so wie oben nicht mehr fest. Das Elend für Mama Maria war
die sehr lange Vorspringleine, die natürlich meist irgendwo durch
geführt werden muss und beim Losmachen zieht man dann garantiert am falschen
Ende. Und sofort gerät man in Panik.
Alles
in allem haben wir so ungefähr 2-3 Tage gebraucht, um das Boot und sein
Verhalten kennen zu lernen. Zum Schluss konnte ich das Boot punktgenau an
einen Steg legen, so das man wie bei einer Straßenbahn aussteigen konnte.
Für andere Anfänger: das Geheimnis liegt in der Geschwindigkeit. Ich bin
zuerst viel zu schnell an den Anlegepunkt hingefahren, dann
Rückwärtsgang rein und gestoppt. Dann war der Anfahrtspunkt meist nicht
mehr voraus. Langsam geht alles viel besser.
Am
letzten Tag habe ich es fast mit meiner Ehefrau verdorben. Wir sind bei
der steifen Brise nochmal über die Müritz nach Röbel gefahren. Der
Wellengang war schon ganz ordentlich. Auf der Rückfahrt beginnt das Boot
derart zu schaukeln, das ich die Mama in die Kajüte schicke. Sie glaubt,
ich kann was gegen die Wellen tun. Sie hat schon eine Menge Bammel und
manchmal spreche ich mir auch selbst Mut zu: "... so schlimm ist's
doch gar nicht."
Der
Bug knallt jedenfalls ganz ordentlich gegen die Wellen und es spritzt fast
bis zum Steuerstand. Ausserdem ist es im Freien nun nicht mehr so
gemütlich. Der Wind pfeift durch alle Pullis und Jacken, wenn man nur
lange genug am Steuerstand steht. Man kann auch auf den Innensteuerstand
umschalten. Aber erstens geht das manchmal ganz schwer, weil dazu der
Aussen-Stand im Leerlauf stehen muss und zum anderen getraue ich mir eben
nicht, so ohne Motorantrieb mal eben eine Zeitlang durch die Wellen zu schaukeln. Und
sehen kann man von innen auch nur die Hälfte. Das sind zwar alles
Landrattenängste, aber das muss einem einer auf dem Boot mitten auf dem
See erst mal klar machen.
Wie
immer, als wir alles im Griff hatten, war der Urlaub auch schon rum. Es
war toll, wenn auch aufregend. Wollen wir mal sehen, was daraus wird.
* * *