Chartbootsfahrt Juni 2009

 

                      

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         Erstmals anderes Metier untersucht...

Der Cheftrainer untersucht mal, ob im Sommer auch was Anderes in Frage kommt, als immer nur nach neuen Skigebieten zu suchen. Die Wahl fiel auf eine Hausboots-Tour im Seengebiet der Müritz. Um es vorwegzunehmen: hinterher sagten alle:  "so macht man es nicht".  Der Normalfall ist, das länger gediente  Bootsfahrer meist irgendwelche Greenhorns an Bord haben, die erste Erfahrungen unter Anleitung machen können. Wir machen es eben anders, wir bauen den ganzen Mist selbst von der Pike auf. Selbst gemachte Fehler bleiben auch länger im Gedächtnis hängen.

Also mieten wir ein Boot bei Römer-Yachtcharter in Buchholz am südlichsten Rand der Müritz.

Das Hausboot Molly hat auf uns am Anfang nicht gleich den optimistischten Eindruck gemacht. Aber nach einer Woche Fahrt hat sie sich als zuverlässig und gutmütig heraus gestellt. Für Anfänger gerade das Richtige. Als Fahrerlaubnis macht man einen 3-stündigen "Charterschein" unmittelbar vor Übernahme des Bootes. Man fährt zwei Runden im Hafengebiet und legt 3 mal an. Bei mir ging das nicht sofort gut. Aber offensichtlich haben die Leute genügend Erfahrung, um einzuschätzen, ob einer das Boot in Grund und Boden stampft oder ob er es heil zurückbringt.

Die erste Nacht schliefen wir noch im Hafen und am nächsten Morgen gings dann einfach los. Jetzt ist Seekartenlesen angesagt und die Tonnen sind zu deuten und Kurs ist zu halten  und, und, und.

Aber wir geben unser Bestes und beginnen auch zu schwitzen als wir die schmale Ausfahrt durch eine Brücke in die kleine Müritz ansteuern. Es geht gut und wir sollten auch später keine Steuerprobleme im freien Gewässer oder in den Kanälen haben. So kompliziert ist das nicht. Viel mehr Arbeit und Nerven braucht es, irgendwo definiert anzulegen. Sind im Hafen meist noch irgendwelche Helfer zur Stelle, geht es an den Schleusen aufregender zu. Als erstes muss man meist eine Warteposition vor der Schleuse einnehmen. Und unsere erste Schleuse in Mirow hat nur Poller, die mitten im Wasser stehen. Mal jemand schnell an Land  schicken und dann das Boot ranziehen, ist nicht. Prompt stellen wir uns beim ersten mal auch ziemlich ungeschickt an und liegen fast quer zum Strom. Also nehmen wir ein zweites mal Anlauf und von da an klappt es immer. Wie gesagt, erst kommen die Fehler.

Obiges Bild ist in einer Schleuse aufgenommen und man kann sehen, eine Angst bleibt immer: die Angst, das beim Schleusen eine Leine hängenbleibt. Mama hält nur mit den Händen das Boot. Das ist dann nicht mehr ausreichend, wenn der Bootsführer, also ich, mal den Gang drinnen lässt. Interessant, was dabei die Schiffsschraube für Kraft entwickelt. Jedenfalls hält man dann das Boot so wie oben nicht mehr fest. Das Elend für Mama Maria war die sehr lange Vorspringleine, die natürlich meist irgendwo durch geführt werden muss und beim Losmachen zieht man dann garantiert am falschen Ende. Und sofort gerät man in Panik.

Alles in allem haben wir so ungefähr 2-3 Tage gebraucht, um das Boot und sein Verhalten kennen zu lernen. Zum Schluss konnte ich das Boot punktgenau an einen Steg legen, so das man wie bei einer Straßenbahn aussteigen konnte. Für andere Anfänger: das Geheimnis liegt in der Geschwindigkeit. Ich bin zuerst viel zu schnell an den Anlegepunkt hingefahren, dann Rückwärtsgang rein und gestoppt. Dann war der Anfahrtspunkt meist nicht mehr voraus. Langsam geht alles viel besser.

Am letzten Tag habe ich es fast mit meiner Ehefrau verdorben. Wir sind bei der steifen Brise nochmal über die Müritz nach Röbel gefahren. Der Wellengang war schon ganz ordentlich. Auf der Rückfahrt beginnt das Boot derart zu schaukeln, das ich die Mama in die Kajüte schicke. Sie glaubt, ich kann was gegen die Wellen tun. Sie hat schon eine Menge Bammel und manchmal spreche ich mir auch selbst Mut zu: "... so schlimm ist's doch gar nicht."

Der Bug knallt jedenfalls ganz ordentlich gegen die Wellen und es spritzt fast bis zum Steuerstand. Ausserdem ist es im Freien nun nicht mehr so gemütlich. Der Wind pfeift durch alle Pullis und Jacken, wenn man nur lange genug am Steuerstand steht. Man kann auch auf den Innensteuerstand umschalten. Aber erstens geht das manchmal ganz schwer, weil dazu der Aussen-Stand im Leerlauf stehen muss und zum anderen getraue ich mir eben nicht, so ohne Motorantrieb mal eben eine Zeitlang durch die Wellen zu schaukeln. Und sehen kann man von innen auch nur die Hälfte. Das sind zwar alles Landrattenängste, aber das muss einem einer auf dem Boot mitten auf dem See erst mal klar machen.

Wie immer, als wir alles im Griff hatten, war der Urlaub auch schon rum. Es war toll, wenn auch aufregend. Wollen wir mal sehen, was daraus wird.

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